Wir in Jahnishausen möchten gerne ein neues Mietmodell einführen und sind auf der Suche nach alternativen Ansätzen: Welches Mietmodell habt ihr? Wer hat Erfahrungen mit Bieterrunden und Ähnlichem? Wer mag und kann uns mit Ideen weiterhelfen? Danke!
Hallo Jürgen,
willkommen hier! Im ZEGG haben wir gerade die zweite Miet-Biet-Runde hinter uns. Ich kann dir nicht so viel dazu sagen, aber erkundige mich mal, wer das tun könnte.
Hallo Lennart, du wohnst im ZEGG, richtig? Danke erst einmal für die Antwort. Ist ja alles nicht wirklich eilig, ist aber schön, weiter zu kommen. Ich werde mit Kathrin beim kommenden GEN Treffen in Sieben Linden dabei sein, da fragen wir ausführlich. Danke!
Lieber Jürgen,
ich war in Januar dabei und kann dir und anderen Interessierten gerne etwas mehr mitteilen. Bis vor 2 Jahren hatten wir im Zegg eine Einheitsmiete. Das heißt, das alle Bewohner das gleiche gezahlt haben, egal ob sie in einem großen oder kleinen Zimmer gewohnt haben. Da unsere Baussubstanz sehr unterschiedlich ist und auch der Sanierungszustand, haben wir von einer Quadratmetermiete abgesehen.
Es gab verschiedene Versuche von Menschen unser System gerechter zu machen, in dem man eine Quadratmetermiete zu Grunde legt und dann zBsp. Punkte für Sanierung etc. dazu gibt. Diese Versuche sind dann jeweils gescheitert, weil es zuviele Faktoren gab die mit reinspielten und es immer Menschen gab, die es dann nach wie vor ungercht fanden.
Im letzten Jahr haben wir dann das erste mal eine Mietbeiterunde gemacht. Auf einer Vollversammlung hat jede/r eine Zahl auf einen Zettel geschrieben, die für sie/ihn adequat erschien. Dabei haben sich die meisten wohl mehr am Einkommen orientliert, als an qm oder Baustubstanz. Wir haben drei Runden gebraucht, bis wir bei der Summe angekommen sind, die auch vorher durch die Einheitsmiete zustande gekommen ist. Das hat sich schon mal sehr viel gerechter angefühlt. Wenn jemand bei der Vollversammlung nicht dabei war, hat er/sie nach wie vor die Durchschnittssumme gezahlt, also die alte Einheitsmiete.
Dieses Jahr haben wir dann einen nächsten Schritt ausprobiert:
Wir haben die Mietbieterunde transparent gemacht.
Das heißt, wir haben auf der Vollversammlung einfach unsere Summe genannt. Menschen die nicht teilnehmen konnten, hatten die Möglichkeit sich vertreten zu lassen, indem sie jemand anderem ihre drei Vorschläge: 1) was ich sehr gut geben kann, 2) was noch gut paßt, 3) was ich zahlen kann wenns sein muß
Wir haben auch diesmal drei Runden gebraucht um auf die anvisierte Summe zu kommen.
Danach haben wir noch spontan eine Runde angehängt, in der jede/r gesagt hat, wieviel Prozent die genannte Summe vom jeweiligen Einkommen ist.
Für mich war diese Runde die interessanteste. Ich bin selbst Renterin mit Grundsicherung (also in altem Sprachgebrauch Sozialhilfeempfängerin), da ich seit über 40 Jahren in Gemeisnchaft lebe und immer nur zu einem sehr geringen Lohn angestellt war. Dann zu hören, das mein Beitrag zum mindest von den Prozenten her ähnlich dem ist was andere gegeben haben, war für mich eine Erleichterung. Ich fühle mich einfach nicht mehr so arm ;o)
Wir hatten vor Kurzem einen Austausch am 8. um 8:00h dazu. Leider waren nur zwei Teilnehmerinnen dabei, ich und jemand aus Sieben Linden. Sie haben dort auch Mietbieterunden; aber die sind sehr komplex und aufwendig.
Ich fand unsere Bieterunde sehr einfach durchführbar und unkompliziert. Gerade der Schritt, das wir es öffentlich und transparent gemacht haben, hat dazu geführt, das wir viel offener über Geld und Einkommensunterschiede reden. Wir haben vor ca. 2 Wochen dann einen Gemeinschafts-Nachmittag mit einigen Menschen gehabt, an dem wir soziometrische Aufstellungen zu Geld, Vermögen, etc. gemacht haben. Das trägt sehr viel zur Vertrauensbildung bei.
Ich hoffe das hilft euch weiter, herzlichen Gruß nach Janishausen,
Almut (aus dem Zegg)
Am TH haben wir ein (in meinen Augen) recht komplexes Mietsystem. Von uns werden bestimmt auch Menschen auf dem NWT in 7L sein, frag gerne dann nach. Vielleicht magst du einen Workshop/Open Space zu dem Thema anbieten?
Simon