Eine Fragestellung, die vermutlich alle Gemeinschaften haben, haben wir auch in Sieben Linden: Wer kümmert sich ehrenamtlich wie viel um was – und wie organisiert man das?
Bei uns haben wir ein relativ kompliziertes System: Nutzer sollen abhängig von der Häufigkeit der Nutzung des gemeinsamen Haushalts unterschiedlich viele Stunden in dessen Pflege stecken. Das macht sich vor allem an der Nutzung unserer Gemeinschaftsküche fest: Wer oft im Regiohaus (»Gemeinschaftskantine«) mitisst, soll mehr für den Unterhalt der gemeinsamen Infrastruktur beitragen als jemand, der oft zuhause isst. Wir erheben dazu u.a. die monatlichen Anwesenheitstage, Krankheitszeiten; und Leute melden ihre verrichteten Dienste bzw. tragen sie vorher in Dienstpläne ein. Kernstück dieser Verwaltung ist eine ziemlich große LibreOffice-Calc-Tabelle, die einmal im Monat ausgewertet und in Auszügen veröffentlicht wird, damit jeder weiß, wie sein Stundensaldo ist.
Das läuft halbautomatisch und macht leider trotzdem noch zu viel Arbeit. Gerade überlegen wir – @felix.wolfsteller und ich, zwei Rails-Entwickler – viel IT da draufzuschmeißen, um Arbeit zu sparen. Aber vielleicht geht es alles auch einfacher? Daher erst einmal unsere Frage an euch:
bei uns im Zegg organisieren wir unsere ehrenamtlichen Stunden wie folgt:
Jeder ist in einer Kochgruppe, die in einem rotierenden Rhytmus einmal die Woche jeweils den Spüldienst nach dem Mittagessen, die Zubereitung des Abendessens und den Spüldienst danach macht. Alternativ kann man auch eine Fürhstücksschicht machen. Das sin in etwa 1 - 3 Stunden, je nach dem welchen Dienst du übernimmst. Die Kochgruppen bestehen aus ca. 14 Menschen, die verschiedene Systeme haben, wie sie sich aufteilen (Onlinelisten, wöchentliche Treffen, Liste im Postfach vom Foculiser)
Außerdem hat jede/r bei uns einen Putzbereich oder eine sogenannte Hüterschaft. Früher hatten alle Putzjobs; aber unsere Ansprüche sind gestiegen (und die des Seminarbereichs) und so sind viele der Putzaufgaben im Gästebereich inzwischen in bezahlte Jobs übergegangen. Die Hüterschaften sind alle möglichen Aufgaben am Platz wie Blumenbeete, die Pizzahütte, der Badeteich, die Bibilothek, das Kompostklo, der Meditationsplatz etc.. die Liste ist lang ;o) Es sollte im Durchschnitt ca. eine Stunde Aufwand in der Woche sein. Es geht hierbei um Materie, also keine sozialen aufgaben.
Außerdem arbeiten bei uns alle an unseren Großveranstaltungen 4 Stunden täglich ehrenamtlich.
Aus meiner Perspektive: Am Tempelhof unterscheiden wir zwischen Ehrenamt und den Gemeinschaftsstunden.
Ehrenamt ist freiwillig (sozial erwünscht), und nicht weiter in Struktur gegossen. Es gibt viele Ämter, die vom Ehrenamt leben.
Die Gemeinschaftsstunden sind pro Person 4h/Woche (Erwachsene, bei Jugendlichen weniger) und die Intention ist der Ausgleich von freiwerdenden Zeit in Gemeinschaft (kein Einkaufen, Kochen, …) und den notwendigen Basisaufgaben in der Gemeinschaft (Unterstützung Küche, Putzen, Essensdienste, LW-Unterstützung, Geländepflege, Moderation, GEN-LK-Engagement, IT, örtliche Freiwillige Feuerwehr, …). Es gibt feste Dienste je Person. Es gibt eine große Tabelle, wo die Dienste und zugeordnete Personen und Umfang (1 oder 1/2 Stelle) eingetragen sind. Die Verwaltung der Liste sind ebenfalls Gemeinschaftsstunden…
Teilweise sind Aufgaben (bspw. Moderation) von einigen Menschen Ehrenamt und von anderen Gemeinschaftsstunden. Manche Dienste sind sehr starr (bspw. Frühstücksdienst), andere flexibler (bspw. IT) was den wöchentlichen Umfang angeht.
Danke für eure Antworten bis hierhin! Ich habe auf dem GEN-Treffen in Tonndorf noch einige andere Stimmen eingeholt und mir so einen guten Überblick verschafft. Mir fiel auf, dass es im wesentlichen zwei Ansätze gibt: Ansatz eins basiert auf persönlicher Initiative und betont Freiwilligkeit: Wenn jemand was sieht, was gemacht werden muss, engagiert er sich oder auch nicht. Dieser Ansatz hat insbesondere keine Stundenpflicht o.ä.
Ansatz zwei ähnelt unserem in 7L: Es gibt konkrete Dienste bzw. Objekte, die von einzelnen oder Teams gehütet werden, und dann gibt es noch frei vergebbare Dienste wie Putzen oder in der Küche helfen, für die sich immer wieder neu Leute finden müssen. Bei beiden Ansätzen gibt es bezahlte Stellen für wichtige Dienste.
Noch einiges mehr habe ich erfahren. Ich bin gespannt, was wir daraus stricken werden.