In der Signal-Gruppe „GEN DE Austausch“ poste ich gerade alle paar Tage Infohäppchen, wo ich die Vorteile von Discourse sehe, und welche Vision ich dahinter habe. Diese Informationen auch parallel noch mal hier, zum Nachlesen und als Diskussionsgrundlage.
Warum Discourse?
Es gibt aktuell mehrere GEN-Signal-Gruppen (Austausch, Gemeinschaftsvertretung, IT, Poesie… mutmaßlich weitere). Das ist ein echter Gewinn für unsere Kommunikation, unseren Erfahrungsaustausch. Signal passt gut zu unseren Werten. Gut 100 Menschen sind dabei, also etwa 10% unseres Netzwerks. Das ist ein guter, realistischer Wert. Aber diese Form der Kommunikation hat auch Nachteile:
- Nicht alle Menschen haben oder wollen ein Smartphone. Sie haben keinen Zugang zu Signal.
- Signal ist wenig geeignet für ausführlicheren Austausch von Gedanken oder Ideen.
- Das Modell mehrerer Gruppen skaliert schlecht. Es fehlt eine zentrale Übersicht der Themen, und es ist nicht praxistauglich, perspektivisch 20 oder mehr GEN-Gruppen auf Signal anzulegen. Eine Öffnung gegenüber Interessierten einerseits und Schaffen von internen Vertrauensräumen ist schwer umzusetzen.
- Wer heute einer dieser Gruppen beitritt, sieht keine vergangenen Nachrichten. So kann kein Wissenstransfer zu „Neuen“ erfolgen.
- Es gibt innerhalb des Signal-Chats keine Übersicht der Themen und keine Option, dauerhaft Relevantes „anzupinnen“. Wichtiges müsste immer wieder gepostet werden, was die Übersichtlichkeit weiter schmälert.
- Die Signal-Gruppen funktionieren überhaupt nur akzeptabel, solange das Nachrichtenvolumen ähnlich gering ist wie aktuell. Würden Themen tatsächlich intensiv diskutiert, würden viele vermutlich sehr schnell die Gruppe verlassen, weil es heillos unübersichtlich und nervig würde.
Was kann Discourse?
- Discourse läuft im Internetbrowser, ist also für jede*n, der*die Zugang zu einem Computer hat, zugänglich.
- Discourse hat zwar keine ausgewachsene App für Smartphone oder Tablet, ist aber auch auf diesen Geräten im Browser gut bedienbar. Es gibt aber eine rudimentäre App, die die Anzahl neuer Themen etc. anzeigt.
- Discourse ist umfänglich darauf ausgelegt, einen gepflegten „Diskurs“ zu fördern. Beispiele: Menschen, die Themen lesen, ohne angemeldet zu sein, werden freundlich aufgefordert, sich zu registrieren und zur Diskussion beizutragen. Wer auf einen Beitrag nur mit einer äußerst knappen Antwort reagiert, wird ermuntert, etwas mehr zu seinen Gedanken zu schreiben. Menschen, die sich frisch anmelden und dann gleich acht Beiträge verfassen wollen, werden gebremst - je länger man Mitglied ist, desto mehr Freiheiten gesteht Discourse zu.
- Discourse kombiniert Echtzeitkommunikation (Chat) mit langsameren, ausführlicheren Themensträngen. Der Chat kann für schnelle Absprachen genutzt werden, die nicht „langzeit-relevant“ sind. Die „Themen“ bauen einen langfristigen Wissensschatz auf.
- Wer Discourse intensiv nutzt, wird im Browser über neue Beiträge informiert. Wer sich nur unregelmäßig einloggt, erhält wöchentliche Zusammenfassungen, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Das kann jede*r für sich konfigurieren, etwa monatliche statt wöchentliche Zusammenfassungen, oder diese komplett abbestellen (schade…)
- Themenbereiche, die mich besonders interessieren, kann ich abonnieren. Dann erhalte ich bei jedem neuen Thema eine Benachrichtigung. Bei anderen Themenbereichen, kann ich gelegentlich trotzdem „reinlesen“ – so entsteht Transparenz, was unser Netzwerk beschäftigt, ohne Mitglied in allen Kanälen sein zu müssen.
- Discourse bietet ein umfangreiches Berechtigungsmodell. So kann ein Teil der Themenbereiche öffentlich sein und so ein Schaufenster für Gemeinschaftsinteressierte darstellen. Andere Bereiche sind nur für angemeldete Menschen aus Mitgliedsgemeinschaften sichtbar. Bei wieder anderen wäre vielleicht Mitlesen möglich, schreiben darf aber nur ein bestimmter Nutzer*innenkreis.
- Viele Themenbereiche sind bewusst öffentlich einsehbar. So können auch Menschen, die nicht in GEN-Gemeinschaft leben, von unseren Erfahrungen profitieren und ihren eigenen Wissensschatz beisteuern. Wo nötig, bieten andere Bereiche einen geschützten Vertrauensraum - für uns GEN-Mitglieder, oder für noch spezifischere Untergruppen.
- Discourse lässt sich sehr dezentral betreuen. Die Moderation liegt nicht in der Hand „der IT“, sondern es können Moderator*innen ernannt werden, die bei unpassenden Beiträgen eingreifen. Das Markieren problematischer Inhalte ist allen Nutzer*innen möglich.
- Auch die Zuordnung zu „Gemeinschafts-Gruppen“ kann delegiert werden. Wenn sich jemand aus Sulzbrunn anmeldet und gerne der Gruppe „Gemeinschaft Sulzbrunn“ beitreten möchte, so können bestehende Discourse-Nutzer*innen aus dieser Gemeinschaft viel besser beurteilen als eine zentrale Instanz, ob die Person tatsächlich bei ihnen lebt. Nebenbei entsteht so ein „Verzeichnis der Aktiven“ – die Mitgliederliste der Gruppen ist für angemeldete Nutzer*innen einsehbar.
- Discourse kann verschiedensten Menschen eine Plattform bieten: GEN-Aktiven, die sich täglich zu ihrem Arbeitskreis austauschen… Menschen, die regelmäßig auf GEN-Treffen fahren und dazwischen im Kontakt bleiben wollen… Menschen, die zwar in GEN-Gemeinschaft leben, es aber nicht zu den Treffen schaffen und trotzdem (gelegentlich) in Kontakt sein oder das Netzwerk nutzen wollen… Selbst Menschen, die gerade erst vom Konzept „Leben in Gemeinschaft“ gehört haben, können einen ersten Eindruck von unseren Gedanken und Werten bekommen.
Hier die restlichen Gedanken, die ich nicht mehr per Signal geteilt habe:
Was ist die Vision?
Discourse als Ersatz für GEN-Signal-Gruppen
Discourse ist Signal in vielen Punkten überlegen und könnte die Signal-Gruppen vollständig ersetzen. Eine Koexistenz zieht beiden Plattformen Energie.
Discourse als zentrale Doku-/Infoquelle
Seit Gründung von GEN DE reden wir darüber, wie nützlich ein „GEN Intranet“ wäre. Eine Webseite, wo man sich einloggt und alle wichtigen Informationen an einem Ort findet. Wie funktioniert das noch mal mit diesem Austauschprogramm? Wer ist Ansprechpartner für Thema xy? Wie hoch ist gleich noch mal der Mitgliedsbeitrag? Wann und wo sind die kommenden GEN-Treffen? Und so weiter… Durch die Möglichkeit, Themenstränge anzupinnen, die langfristig Relevanz haben, bleiben sie leicht auffindbar.
Discourse als Ersatz für das GEN-Update
Das monatliche GEN-Update ist ein echter Gewinn für den internen Austausch von Informationshäppchen, es ist aber auch ein sehr sperriges, träges und unzuverlässiges Tool. Ein Redaktionsteam muss monatlich Beiträge anfragen, Beiträgen hinterherlaufen, Abgabefristen müssen eingehalten werden… Dann müssen die Häppchen formatiert und verschickt werden… Und schließlich muss das GEN-Update in den Gemeinschaften ankommen (klappte in der Vergangenheit nicht zuverlässig), weitergeleitet werden (ebenso unzuverlässig) und dann auch noch gelesen werden (obwohl es sich vielleicht wie „der hundertste Newsletter, den man jetzt auch noch lesen soll“ anfühlt. Ja, und wer kurzfristig etwas mitzuteilen hat, drei Tage nach Versand des Updates… hat Pech gehabt. Mit den wöchentlichen und monatlichen Zusammenfassungen erfüllt Discourse eine sehr ähnliche Funktion und wird mit der Möglichkeit, zusätzlich Themenbereiche zu abonnieren, wesentlich relevanter. Selbst Menschen, die latent von Informationsflut überfordert sind, können einen einzelnen Themenbereich abonnieren und die Zusammenfassung auf monatlichen Versand zurückschrauben.
Discourse als Entlastung für die Mailadresse info[@]gen-deutschland.de
Die Mailadresse info[@]gen-deutschland.de ist für viele der erste Kontaktpunkt zu GEN. Eine Fülle unterschiedlichster Anfragen gehen dort ein. Gerne auch mal so was wie „Ich interessiere mich für Leben in Gemeinschaft, wann kann ich euch besuchen?“. Ein, zwei Menschen sind mit dem geduldigen Beantworten solcher Anfragen beschäftigt, und es besteht die Gefahr, dass sie nur ihre Sicht auf die Dinge teilen. Würden wir Menschen stattdessen einladen, solche Fragen auf Discourse zu stellen, können sie potenziell ein viel breiteres Bild an Antworten aus dem Netzwerk erhalten. Das schließt natürlich nicht aus, dass ein „Willkommens-Team“, das bevorzugt auf solche Beiträge eingeht, sinnvoll ist. Man kann ggf. auch auf bestehende Antworten verweisen, anstatt sie wieder und wieder zu formulieren.
Discourse als öffentlich auffindbare, lebendige Kontaktfläche zu unserem Netzwerk
Discourse soll – sobald es intern gut eingespielt ist – auf der GEN-Homepage prominent in der Navigation erscheinen. So wird es zur Kontaktfläche für Interessierte, aber auch für Menschen, die ähnlich ticken, ohne in Gemeinschaft zu leben. So werden wir sichtbarer und es wird greifbarer, wofür GEN steht. Und für Gemeinschaften, die bisher nicht Mitglied sind, wird sichtbarer, weshalb eine Mitgliedschaft interessant sein könnte.
Discourse als Gemeinschaften-Plattform über Deutschland hinaus
Discourse startet als Initiative von GEN Deutschland, steht aber allen deutsch sprechenden (Gemeinschafts)Menschen offen. Denkbar wäre die Erweiterung zum „offiziellen Forum der deutschsprachigen Gemeinschaften“, denn letztlich beschäftigen sich Gemeinschaftsmenschen in Österreich oder der Schweiz vermutlich mit sehr ähnlichen Themen. Warum sollen sie Energie in den Aufbau ihrer eigenen Plattform investieren, die nächste Bubble zementieren? Themenbereiche wie „DE regional, AT regional, CH regional“, heruntergebrochen auf Regionen innerhalb der Länder, können trotzdem Platz bieten für Fragen oder Angebote, die nur regional relevant sind.
Ich werfe mal noch einen Vorteil von Discourse gegenüber Signal in den Topf: Man ist mit Discourse nicht abhängig von (US-amerikanischen) Cloud-Anbietern. Das ist heutzutage ja immer mehr wert.