Tipps gemeinschaftsinterne digitale Kommunikation

Mich erreichte kürzlich untenstehende Anfrage aus einer Gemeinschaft. Da wir das Thema gerade beim GEN-Treffen lebhaft diskutiert haben, hieve ich es hierher, so dass weitere ihren Senf dazugeben können. Bestenfalls registriert sich der Fragende auch hier und diskutiert mit :star_struck:

Zur Einordnung noch ein Schnipsel von der Gemeinschafts-Homepage: Die Betriebe beschäftigen über 140 Personen. Insgesamt wohnen hier 70 Menschen. Täglich beleben über 300 Besucher den Hof.

Nun die Anfrage:
Ich bin bei uns mit der elektronischen Kommunikation unzufrieden. mails, Slack, Instagram, Treffen, etc, ein kompliziertes Thema… Meine einfache Frage: Nutzt ihr eine bestimmte App oder rein bestimmtes Prinzip für Eure interne digitale Kommunikation? Etwas wo alle mit klarkommen? und wo die relevanten Informationen zuverlässig fliessen? vielleicht gibt es eine gute Lösung die ich noch nicht kenne ? Freue mich über eine kurze Antwort oder eine Anregung- falls es so etwas gibt.

Für die ZEGG-Gemeinschaft gesprochen:
Wir haben auch eher suboptimale „gewachsene“ Kommunikationsstrukturen. Etwa ein Dutzend Mailinglisten von zwei verschiedenen Anbietern (Datenkollektiv sowie mailbox.org). Dazu anarchisch erstellt unzählige Messenger-Gruppen, teils auf Telegram, teils auf Signal.

Mailbox.org setzt auf mailman3, und ich muss bei allen Nachteilen des Mediums sagen: vorher war es viel schlimmer. Die Moderationsmöglichkeiten (neue auf dem Verteiler dürfen nur lesen, ihre Posts werden moderiert etc.) machen die Sache erträglich.

Schloss Tempelhof macht gerade Erfahrungen mit der Ablösung von Mailinglisten durch Discourse (so wie diese Plattform hier). @sjjh kann mehr dazu sagen. @Gunter vom Ackersyndikat ist dagegen Fan von Zulip, @Don vom Kodorf wiederum schätzt Mattermost

Falls gewünscht, kann ich Näheres zu unserer Mailinglisten-Konfiguration sagen, aber ehrlich gesagt würde ich heute eher auf etwas anderes setzen.

Korrekt. Zusätzlich gibt es weiterhin noch einige Mailinglisten, sowie „informelle“ Messanger-Gruppen auf diversen Plattformen, SMS, Festnetztelefonie, und ein NAS.

Nach der ISO-Definition der Usability kommt es auf folgende drei Aspekte an:

  • Nutzer:in
  • Kontext (physisch, sozial, kulturell, …)
  • Ziel (Aufgabe)

Ohne Kenntnis darüber ist es IMHO[1] schwierig eine gute Lösung zu finden/definieren – und „alle“, „digitale Kommunikation“, und „relevante Informationen“ ist an dieser Stelle zu unspezifisch. :slight_smile:
Tatsächlich hoffen wir, dass wir am TH mit den vielfältigen Möglichkeiten von Discourse eine breite Basis abdecken können. Gleichwohl denke ich, dass neben der technischen Umsetzung der soziale Aspekt (gemeinsames mentales Modell, Vereinbarungen, Begleitung der Einführung) genauso relevant ist.


  1. in my humble opinion ↩︎

Auch in Sieben Linden sieht es ähnlich aus. Eine Schwierigkeit ist natürlich auch, Nutzende von einer Technik _weg_zubewegen (auch Teil der Netzwerkeffekte, einmal mail - immer mail). Daher kommen eher Sachen dazu als dass sie auch wirklich verschwinden (Telegram Whatsapp und Facebook können wir ja leider nicht selber abschalten, wobei die Beispiele auch wenig in Sieben LInden genutzt werden).

Und @Lennart: kannst du den Titel um „digitale“ (oder aus dem Zitat „elektronische“) ergänzen? Zur analogen Kommunikation ließe sich ja auch noch ne Menge sagen (Aushänge an Pinnwänden funktionieren für mich z.B. wirklich gut).

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In der Fuchsmühle nutzen wir Mattermost für den Chat intern. Dazu kommt noch eine Signalgruppe für Kurzfristiges, wo die Nachrichten nach ein paar Tagen automatisch gelöscht werden. Informationen werden im Outline-Wiki abgelegt, Termine im Kalender der Nextcloud (dort sammeln sich Dateien an). Dann gibt es dann noch für Verwaltungsdaten Grist und für Kanban Wekan. Authentik verbindet alles mit SSO. Bis auf die Signalgruppe alles selbstgehostet via Coop-Cloud.

Vorher gab es vor allem Signalgruppen, da haben wir uns ziemlich überfordert in der Kommunikation. Mit Outline und Mattermost ist es übersichtlicher und entschleunigter geworden, wobei da mMn noch Luft nach oben ist. Es braucht kontinuierliche (Selbst-)Moderation der Kanäle bzgl was gehört wohin.

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Stimmt - mir fiel heute auch ein, dass Kalender und Wiki ja auch digitale Kommunikation sind.
Als Kalender nutzen wir Teamup (ich sehe deine Augen rollen, Holger…). Das Schöne ist, dass es extrem niederschwellig für die Nutzenden ist - das ist hier leider Bedingung für breite Akzeptanz. Wir haben einige dieser Kalender. Manche Teams machen ihre Urlaubs-/Schichtplanung darin, dazu gibt es einen allgemeinen der Gemeinschaft. Dort wird die Seminarplanung aus Seminardesk eingebettet, teils sind die Kalender auch untereinander verlinkt, und das Ergebnis bette ich z.B. mir wiederum in Thunderbird/im Smartphonekalender ein. Das spart viele „wo treffen wir uns heute noch mal“-Nachrichten. Mein Kalender pflegt sich so ein bisschen von selbst, durch die Einträge anderer.

Als Wiki nutzen wir DokuWiki, wir betreiben es vor Ort auf unserer Synology NAS. Für die meisten ist das nur der Ort, wo die Protokolle abgelegt werden (besser als nix), wir versuchen das aber gerade in Richtung „zentrale Doku“ weiterzuentwickeln. Also als erste Anlaufstelle für neue Menschen, mit Übersicht der Verantwortlichkeiten, Rollenbeschreibungen etc.

Vielen Dank für die spannende Diskussion – immer wieder bereichernd zu sehen, wie vielfältig sich Gemeinschaften digital organisieren!

Wir stehen mit dem KoDorf Wiesenburg zwar noch am Anfang (noch nicht vor Ort), aber auch bei uns spielt digitale Kommunikation schon eine große Rolle. Aktuell arbeiten wir viel mit Mattermost, GDrive und Zoom.

Unser Ziel ist es, langfristig vollständig auf Open-Source-Software umzusteigen, um digitale Souveränität zu erlangen und zu wahren. Dabei versuchen wir aber stets, Nutzerfreundlichkeit und niedrige Einstiegshürden im Blick zu behalten.

Ein erster Schritt war der Umstieg von Slack zu Mattermost, gehostet bei einem nachhaltigen, CO₂-neutralen Anbieter. Die laufende Migration von GDrive zu Nextcloud wird gerade von einer AG vorangetrieben – besonders spannend sind hier Kalenderfunktionen, OnlyOffice und Markdown, die derzeit getestet werden.

Zoom-Alternativen wie Jitsi oder BBB haben wir bisher nicht konkret verfolgt, sind aber auf dem Radar. Signal nutzen wir aktuell nicht aktiv, aber ich fand den Hinweis auf selbstlöschende Nachrichten für temporäre Kleingruppenkommunikation sehr spannend – danke dafür! Gleichzeitig schätzen viele die Bündelung der Kommunikation in einem zentralen Kanal wie Mattermost.

Begleitend dazu bieten wir eine IT-Support-Gruppe (von der AG Digitalversorgung), eine Mattermost-Sprechstunde für neue Mitglieder (noch ausbaufähig genutzt) sowie eine AG Mattermost-Admin, in der ich selbst als Thread-Polizei unterwegs bin :wink:

Wenn ich heute nochmal neu starten würde, würde ich wahrscheinlich eher zu Matrix/Element greifen. Das Onboarding bleibt zwar herausfordernd, aber die UX hat sich deutlich verbessert.

Ein entscheidender Punkt: Mattermost verfolgt ein Open-Core-Modell, bei dem zentrale Funktionen in der freien Team Edition fehlen und nur in der kostenpflichtigen Enterprise-Version enthalten sind – z. B. Playbooks oder Gruppenanrufe. Das wurde mit Version 10 noch deutlicher, siehe auch die Kritik auf Reddit:

„This approach gives Mattermost the marketing advantage of being seen as open source, while strategically withholding key functionality to drive paid conversions.“

Gerade für Gemeinschaften, die auf Transparenz und Selbstbestimmung setzen, ist das langfristig problematisch. Matrix hingegen verfolgt eine konsequent offene Linie – das schafft Vertrauen und Unabhängigkeit.

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Ich teste gerade Beeper – eine universelle Chat-App, die viele Protokolle (Matrix, Signal, WhatsApp, iMessage, Telegram u.v.m.) direkt einbinden kann. Gerade spannend für Menschen, die viele Kanäle bündeln möchten, ohne ständig zwischen Apps zu wechseln. Bin gespannt, wie sich das in der Praxis bewährt – vor allem auch im Hinblick auf Datenschutz und Dezentralität. Ist aber closed source FYI.

Auf deren Github-Seite lässt sich folgender Satz finden:

Beeper is built on top of Matrix, an open-source chat protocol. When we started building Beeper, we made the fundamental decision to open-source most of our backend code and provide you with the option to self-host.

Da stellt sich mir die Frage, weshalb nicht gleich Matrix nutzen… :slight_smile:

Ah danke @sjjh da hätte ich wohl ein bisschen besser recherchieren sollen. Nutzt du selber Matrix/Element?

Damit dass Mattermost Open Core ist fühle ich mich auch nicht wohl. Offiziell unterstützt die FOSS Version zB kein Single-Sign-On, aber die „Login via Gitlab“-Funktion lässt sich als genereller OIDC-Adapter benutzen um es bei uns ins Authentik einzubinden. Am Marketing von MM (Regierungen, Militär, …) lässt sich schon vermuten, welche Ausrichtung die Entwicklung hat.

Mein Favorit wäre Zulip gewesen, dass ist leider im Nutzer-Test durchgefallen. Auf Matrix mit Element X habe ich eine zeitlang gehofft, aber das ist immer noch nicht gut genug nutzbar. Ich habe selber mit Element immer wieder genug Ärger, dass ich das nicht guten Gewissens nicht-Techies aufdrücken kann. Vielleicht ist es ja irgendwann ausgereift genug… RocketChat hatte ich mir noch angeguckt, aber das ist noch schlimmer als MM bzgl Features aus der freien Variante entfernen und Openwashing.

Ja bin ich voll bei dir, Mattermost kommt von allen der Usability von Slack am nächsten. Mit Matrix mache ich (zugebenermaßen Tech-Bubble auch) Video-Calls die sehr stabil laufen.

Nein (nicht regelmäßig/produktiv). Ich hatte ähnliches Feedback bzgl. schlechter Usability gehört & gelesen, wie @holger berichtet. Daher erstmal Abstand genommen und aktuell reicht uns am TH Disocurse (falls Messanger, empfehle ich nach wie vor Signal, trotz fehlender Föderierung). Ich würde Matrix nochmal probieren, wenn es etwas reifer ist…

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